Wachstumsbericht Hof Nr. 4, August 2016

Seit anfangs Jahr bewirtschaften wir mit dem radiesli den gesamten landwirtschaftlichen Betrieb an der Bodengasse 22 in Worb. Seither ist vieles gewachsen. Es wird geplant, besprochen und umgesetzt. Schritt für Schritt kommen wir unserer Idee eines solidarisch getragenen Hofes näher.

Mit den Wachstumsberichten wollen wir euch regelmässig über den Stand der Dinge berichten.

Umbauten und Baueingabe

Im hinteren Bereich des ehemaligen Kuh- und Pferdestalls hat Stöffu gemeinsam mit Vladislav in wunderbarer Holzarbeit die neue Garderobe, ein WC und eine einfache Küche gebaut. Die neue, etwas höhere Decke ist zugleich der starke Boden der Tenne oberhalb, welches die Zimmerleute Clödu und Alex unter Mithilfe von Alhassane eingebaut haben.

Einige Um- und Ausbauten sind also bereits geschehen. Wir freuen uns , dass der ganze Gemüsebereich jetzt diesen, neuen, schönen Raum direkt an der Bodengasse beziehen kann. Es werden auch noch Türen und Fenster vergrössert. Gestaltungspläne für den Hofvorplatz werden derzeit besprochen - eine Gelegenheit sich zur "vielbespazierten" Strasse hin und für uns alle ansprechend und schön einzurichten.

Unser Baugesuch mit den von Lukas gezeichneten Plänen, wurde Anfang Juli von Stöffu und Niculin eingereicht und veröffentlicht. Einige haben vielleicht bereits die Profile stehen sehen, nun gilt es abzuwarten und zu hoffen, dass wir bald und reibungslos in die kommende Bauphase einsteigen können. Wir werden sicher erneut mit "Gerber machts" und anderen Handwerkern aus der Region Worb arbeiten.

Niculin und Noemi haben sich entschieden, die ersten Kühe und Kälber bereits vor Baustart anzuschaffen. Dies auf Grund der grossen Freude und Motivation an der Arbeit mit den Tieren, aber auch, weil es ein sinnvolles Stallprovisorium gibt und die Aussicht eines ersten Ertrages durch den Absatz von Fleisch im Winter dieses Jahres finanzielle Erleichterung bringt.

Tiere und Menschen auf dem Hof

Wir arbeiten seit Anfangs Juni zu fünft auf dem Hof: Noemi ist dazugestossen und komplettiert nun die Hofgruppe bestehend aus Anna-Katharina, Marion, Niculin und Ursina. Nun können Entscheidungen zu den grösseren Ackerkulturen, zur Bewirtschaftung der Weide- und Grasflächen und weiteren Betriebszweigen ausserhalb des Anbaus fürs bereits laufende Gemüseabo von Niculin und ihr gemeinsam gefällt werden - was Freude bereitet und auch mal erleichternd wirkt. Ursina arbeitet ebenfalls in diesen Betriebsbereichen, hauptsächlich bei den Hühnern und im Obstbau mit. Die Hofgruppe trifft sich jeweils am Mittag zum gemeinsamen Essen, tauscht sich laufend über anstehende Arbeiten aus und unterstützt sich in ihren Tätigkeitsfeldern wo sinnvoll und nötig gegenseitig mit Wissen oder Tatkraft. In diesem ersten GmbH-Jahr arbeiten wir prozentual in folgenden Anstellungen: Niculin - 70%, Anna-Katharina - 60%, Marion - 60%, Noemi - 30%, Ursina - 20%

Von der angestrebten Kuhherde aus rund 10 Muttertieren und 10 Kälbern und Jungrindern, leben nun bereits 2 Muttertiere und 6 Kälber auf dem Hof. Sie sind ausschliesslich draussen und geniessen bei Hitze oder starkem Regen die Bäume rund ums alte Pumphaus, ihrer derzeitigen Weidefläche.

Im Hühnerhof sind im Juni 33 Junghennen (Schweizerhuhn x Rhode Island) eingezogen. Der stolze Appenzeller Spitzhauben Güggel schaut für Ordnung, von den alten Legehennen von Lisbeth sind noch 3 da, sie verabschieden sich langsam auf natürliche Weise. Die Jungen gewöhnen sich an ihre neue Umgebung, scharren zum ersten Mal in ihrem Leben auf der Weide und geniessen Sand- und Sonnenbad. Sie sahen zum Start reichlich zerzaust aus und waren etwas schwach, gedeihen nun aber gut!

Pferde und Enten Im den beiden Pferdeboxen unterhalb Ueli und Elisabeths Wohnung wohnen nach wie vor die beiden Pferde Naima und Ringo. Ebenso bleibt die nette Laufentenschar auf dem Hof wohnen und schnattert wacker unter Pappeln und Birke. Sie werden, wie auch die beiden Pferde, von Leibundguts versorgt.

Menschen ;-) Seit April wohnen Niculin, Ursina und Sohn Renato Töndury im Stöckli neben dem Ökonomiegebäude. Seit Mai laufend dazu gestossen sind zudem Noemi Töndury, Denise König und Malbec (unser kleines Kätzchen). Wir geniessen den Ort und den jeweils fröhlichen und grossen Mittagstisch mit der Hofgruppe, allen anwesenden radieslis und sonstigen Helferlis sehr.

Neue Abos und Zukunftspläne

Wir befinden uns noch bis Ende 2017 in der Umstellung zum Bio Knospe-Betrieb. Ein grosser Teil der Fläche ist zurzeit eingesät mit Kunstwiese, das erste Heu ist bereits unter Dach und Fach. Gerste und Weizen wurden gedroschen und der Mühle Rytz abgegeben. Zurzeit ernten wir gerade die Zwiebeln und Kartoffeln, Lagergemüse, das wir nebst Kürbis und Rüebli seit diesem Jahr selber fürs Gemüseabo anbauen. Die im letzten November gesetzten 30 Obstbäumchen gedeihen gut.

Da wir jetzt 10 ha bewirtschaften, bekommen wir die Chance, die sehr intensive Bewirtschaftung und enge Fruchtfolge auf dem Gemüsefeld zu verbessern. Es wird direkt über die Bodengasse eine nochmal ähnlich grosse Fläche geben, die auch in die Rotation mit einbezogen wird, so dass die Grünbrachen länger bleiben können.

Wir versprechen uns dadurch eine bessere Erholung für den Boden und eine einfachere Bewirtschaftung für uns.

Fürs nächste Jahr möchten wir gerne Getreide, evtl. Dinkel und Weizen anbauen, das als Mehl in Aboform abgegeben werden kann. Wir stehen auch mit der Ölmühle in Bern (rohrohroh.ch) in Kontakt um zu schauen, was für Ölsaaten wir allenfalls anbauen könnten. Das Fleisch-Abo wird entwickelt und wir studieren an einem Lager-Gemüse-Abo herum, einem Abo, das für Leute interessant sein könnte, die selber einen Garten haben, aber interessiert wären an Kartoffeln, Zwiebeln, Kürbis und Rüebli, oder Leute, die eher spontaner Frischgemüse brauchen oder z.B. den Gang auf den Markt nicht missen wollen.

Finanzen und Strukturen

Das Dossier mit dem Darlehensgesuch hat euch ja schon erreicht und kann nun an alle Menschen, die ihr Geld gerne nachvollziehbar sinnvoll und nachhaltig investieren weitergegeben werden. Wir sind zuversichtlich und gespannt auf die Reaktionen. Je mehr Menschen sich mit unserem Projekt identifizieren können, um so stärker wird unser Hof. Da können wir nur dankbar sein, für alle die mittragen.

Wir arbeiten in der BG intensiv an der Frage, wer sich für welche der neuen und bestehenden Aufgaben verantwortlich fühlen will und kann. So tasten wir uns langsam zu einer neuen Struktur. Da ist noch Vieles am Entstehen und wir wollen das sorgfältig machen, so dass in jedem einzelnen ein Bild vom Ganzen entstehen und im Ganzen die Kraft jedes Einzelnen wirken kann. Das Resultat dieser Arbeit spiegelt sich im funktionierenden Betrieb und bald werden erste Papiere zum Lesen vorliegen. Klar zeichnet sich ab, dass wir die von uns an der letzten HV angedeutete Aufteilung der Finanzverantwortung weiterverfolgen: Der Verein wird weiterhin Anteilscheine ausgeben und so über ein gewisses Kapital verfügen. Ein Teil davon ist noch gebunden durch den Rest des Fehlbetrages im ersten „Gemüsejahr“, einen Teil wollen wir zurückhalten, damit Anteilscheine von austretenden Vereinsmitgliedern zurückbezahlt werden können und der Rest soll der GmbH zur Verfügung stehen.

Betriebsbeiträge, Erträge aus Verkäufen und die Direktzahlungen werden direkt an die GmbH fliessen, die sich auch für fast alle Ausgaben verantwortlich sieht. Das Budget für die GmbH, wie wir es an der HV vorgestellt hatten, stimmt bis jetzt erstaunlich genau.

Nachbarschaft und Austausch

Der Austausch mit euch allen bei der Mitarbeit, in den Kaffee- und Mittagspausen ist toll! Hier können auch mal auf sehr einfachem Weg eure Meinungen zur laufenden Planung und Ideen eingeholt werden. Zudem ist auch der Austausch mit benachbarten Landwirten soweit erfreulich. Konkret kann das bedeuten: Oftmals werden spezielle Geräte und Maschinen gegenseitig ausgeliehen oder dann helfen wir einmal Mastgüggeli verladen und Fridu fährt uns dafür einen Abend lang Heuballen mit auf die Tenne. Es ist viel Wohlwollen spürbar und Leibundguts wertvolles Beziehungsnetz und die Verankerung in Worb tragen unseren bisher guten Start hier im Worbboden stark mit.

Medien und Öffentlichkeit

Offenbar wird unser Vorhaben mit dem Hof auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen. In bäuerlichen Kreisen ist das Thema Hofübergabe ausserhalb des Familienbetriebes grad sehr aktuell und es erschien ein guter Artikel übers radiesli im Schweizer Bauern, der Bauernzeitung und der UFA Revue. Unser unkonventionelles Landwirtschfts-Modell stösst auf Interesse, was uns freut. Wir berichten gerne darüber und machen auch immer wieder mal Führungen (uniterre, OGG, CSA Lehrgang, interessierte LandwirtInnen,...). Die Artikel sind auf der Homepage in der Rubrik "Über uns" / "Presse" zu finden.

Jubiläums- und Hoffest

Wir planen ein grösseres und öffentliches Fest und wollen unsere Freunde, die WorberInnen, potentielle Neumitglieder, alle InteressentInnen und unser erweitertes Netzwerk, z.B. die schweizweiten KollegInnen aus der Solawi-Gemeinschaft und aus dem weiteren bäuerlichen Umgebung einladen. Natürlich freuen wir uns, wenn möglichst viele aus dem engen radiesli-Kreis am Fest teilnehmen können und sind froh, wenn ihr mithelft, das Fest zu bewerben. Wir wollen mit möglichst vielen Menschen auf unserem gemeinsamen Hof feiern können, was da in den letzten fünf Jahren gewachsen ist und hoffentlich in Zukunft weiter wachsen wird!

Erscheinungsbild und Homepage

Die Veränderungen mit der Hofübernahme bringen einige Umstrukturierungen mit sich. Diese betreffen auch die Homepage und das Logo. Der Untertitel im Logo - "Dein Gemüse kennt dich" - passt nur noch teilweise. Es denkt und grübelt demnach in der Betriebsgruppe und in entsprechenden Arbeitsgruppen an neuen Texten, Möglichkeiten und Lösungen. Wir hoffen, euch bald schon Resultate dieser Arbeit zeigen zu können. Für die Neugestaltung wollen wir auch mit Zeichnungen der Vereinsmitglieder arbeiten. Eure Mitwirkung und die Vielfalt der radiesli-Gemeinschaft soll auch hier sichtbar werden!

Was uns hilft

Es gibt derzeit viel zu tun und die BG hat alle Hände und den Kopf ziemlich voll zu tun. Wer demnach in einer der aktuellen Arbeitsgruppen (Webtexte, Website, Erscheinungsbild und Logo, Aboentwicklungsgruppen Fleisch, Lagergemüse und Hoffest) mitarbeiten möchte, melde sich noch so gerne bei uns. Dies ist gut auch möglich, wenn man kein BG-Mitglied ist. Natürlich ist auch das Weiterverbreiten unseres Darlehensgesuch derzeit eine grosse Hilfe. Wir sind froh, wenn ihr Euch bewusst seid, dass ihr diejenigen seid, die Alles was auf dem Hof läuft, unsere Ideen und die Begeisterung weiterträgt, verbreitet und mithelft für neue Abos und Produkte neue Mitglieder zu finden.

Wir freuen uns über alles was besteht und noch entsteht und werden weiterhin berichten.

Die Betriebsgruppe
Die Hofgruppe